Dienstag, 14.03.17

K1024 Minutemade mit dem Ballett des Staatstheaters am Gaertnerplatz Photo Lioba Schoeneck Quadrat

Bald ist DANCE - Vorverkauf ist jetzt!

 

München, Stimmung

München im Vorfrühling ist reizend. Ab 10 Grad Celsius wird gelächelt und zum ersten Eis des Jahres voller Übermut die Sonnenbrille ausgeführt. Alles freut sich, keine Frage. Krokusse am Straßenrand, Tulpen in der Vase. Die Isar trägt den Winter fort und bringt den Wind, der nicht mehr wehtut. Es liegt etwas in der Luft. Wer zu Gast ist, merkt vielleicht gar nicht, was passiert. Wer hier lebt aber weiß, wovon ich spreche. Es bewegt sich was. Sowieso und immer, aber ganz besonders alle zwei Jahre: DANCE bereitet sich vor, wie ein Sturm durch die Stadt zu gehen. Und wir werden dabei zuschauen.

 

K1024 P1160637 breit
© Carmen Kovacs

 
Im Vorfeld Stimmen zur Stimmung:

Nina Hümpel, Künstlerische Leitung von DANCE
Für mich persönlich beginnt jetzt eine sehr schöne Zeit, weil ein Großteil meiner Arbeit bereits erledigt ist, wie das Auswählen des Programms oder das Abwickeln der Verträge. Jetzt kommt die Phase, in der ich das Team in der Öffentlichkeitsarbeit unterstützen kann, kleine Einführungen zum Festival halte und das Programm vorstellen darf. Das, was man so lange vorbereitet hat, geht jetzt endlich raus an die Öffentlichkeit.

Ein wesentlicher Teil der Vorbereitungen ist natürlich das Entdecken. Ich reise durch die Welt und suche qualitativ hochwertige Produktionen. Da, wo ich fündig werde, entwickeln sich dann meistens automatisch die Schwerpunkte. Das ist für dieses Jahr Montreal, wo ich eine ganz neue Gruppe an zeitgenössischen Tanzkünstler*innen kennengelernt habe, die genreübergreifend in andere Bereiche hinein arbeiten, wie Stéphane Gladyszewski, Peter Trosztmer oder Benoît Lachambre, zusammen mit Fabrice Ramalingom.

Innerhalb des zweiten Schwerpunkts – die sogenannten Doppelspiele – wollen wir Künstler*innen durch zwei unterschiedliche Arbeiten aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven zeigen. Nicole Peisl, Benoît Lachambre und Emanuel Gat beispielsweise werden zusätzlich zu ihren Produktionen mit den Tänzer*innen des Gärtnerplatztheaters arbeiten und im Rahmen von "Minutemade for DANCE" neue Stücke kreieren.

Mit ähnlicher Vorfreude erwarte ich, wie wahrscheinlich ganz München, die Uraufführung von Richard Siegals neu gegründeter Kompanie Ballet of Difference. Und persönlich liegt mir auch die zweite Uraufführung des Eröffnungswochenendes am Herzen, Minorites von Yang Zhen, einem jungen, regimekritischen Choreografen, der sich mit dem Thema Minderheiten in China beschäftigt. Da fühle ich mich irgendwie mitverantwortlich, dass die Uraufführung eines so jungen Künstlers ein Erfolg wird. Gerade auch, weil es eine so politische Arbeit ist. Mich interessiert zeitgenössischer Tanz von gesellschaftlicher Relevanz. Deshalb haben wir noch eine zweite Produktion eingeladen, die das Thema Minoritäten verhandelt, Daina Ashbees Unrelated. Die ebenfalls sehr junge Künstlerin hat sich mit der Unterdrückung und dem Missbrauch von indigenen Frauen in Kanada beschäftigt. Aber auch die Arbeit eines Urgesteins des zeitgenössischen Tanzes wie VA Wölfl ist aufgeladen mit politischer Stellungnahme, Provokation und gesellschaftlichem Bezug.


Christoph Gurk, Kurator an den Münchner Kammerspielen
Besonders die Arbeit von Trajal Harrel fasziniert mich schon sehr lange. Als ich noch in Berlin am Hebbel am Ufer gearbeitet habe, ist er dort öfter aufgetreten. In der nächsten Spielzeit werden wir sogar eine Repertoire-Produktion hier an den Kammerspielen mit ihm machen. Grundsätzlich sind wir sehr daran interessiert, die freien Produktionen, die wir zeigen und das, was hier am Haus entsteht, miteinander zu verzahnen. Die Ästhetiken, die sich unter unterschiedlichen Produktionsbedingungen ergeben, sollen sich gegenseitig inspirieren. Für zeitgenössischen Tanz interessieren wir uns besonders, wenn Formen entstehen, die nah an zeitgenössischer Performance dran sind – das kann man von Trajal Harrel ganz klar behaupten. Auf alles andere, was bei der kommenden Ausgabe von DANCE läuft, freue ich mich natürlich auch. Ich werde versuchen, mir so viel wie möglich anzuschauen. Ist ja immer ganz gut, wenn man etwas gegen die eigenen Scheuklappen tun, mit denen man so durch die Welt läuft – und vielleicht sogar die eine oder andere richtige Entdeckung machen kann.


Karl Alfred Schreiner, Ballettdirektor vom Staatstheater am Gärtnerplatz
Ich freu mich natürlich besonders darauf, unser Minutemade-Format im Festivalprogramm zu sehen. Am aufregendsten ist ja immer, live mitzuerleben, wie ein Stück entsteht. Aber auch auf alles andere bin ich schon sehr gespannt. Man kann in München gar nicht genug Tanz bringen – je mehr Häuser und Produktionen, desto besser ist das für die Tanz-Stadt München. Der Konkurrenzgedanke ist mir da ganz fern. Im Gegenteil: ich freue mich über jede Produktion, in der getanzt wird, denn das begeistert und steckt die Leute an. Ich glaube, dass zeitgenössischer Tanz für viele Menschen als anstrengend, mühsam und intellektualisiert gilt und leider noch viel zu selten als etwas Lustvolles. Das wird sich hoffentlich ändern und gerade so ein Festival wie DANCE kann einen großen Beitrag dazu leisten.


Angelika Fink, Künstlerische Leiterin des Pathos
Dass die Kooperation mit DANCE klappt, ist wunderbar. Schließlich ist es ein internationales Festival, das ich schon seit vielen Jahren verfolge. In einer Stadt wie München finde ich es wichtig, Allianzen zu schmieden, und dass sich die Festivals mit den Spiel- und Produktionsorten vernetzen. Gerade in der Umbruchphase, in der sich das Areal – also das Kreativquartier – befindet, ist es für uns besonders relevant, das Schwere Reiter wirklich in alle Richtungen zu öffnen. Vor allem freue ich mich auf Vielfalt von der österreichischen Choreografin und Tänzerin Nicole Peisl, die über 30 Jahre mit Forsythe gearbeitet hat. Dass wir diese Produktion hier weiterentwickeln und mit Vielfalt II eine Uraufführung zum Festival beisteuern, ist natürlich besonders spannend. Ich hatte Vielfalt I vor zweieinhalb Jahren am Frankfurt LAB gesehen und bin von Peisls Arbeit sehr begeistert. Seitdem versuche ich, sie nach München zu holen. Ich bin an Nina Hümpel herangetreten, weil ich es wichtig finde, dass die Produktionen, die man einlädt, in den richtigen Kontext gesetzt werden. Da war es natürlich super, dass DANCE es als Zugewinn begriffen hat, dass ich ein Projekt vorschlage. Wir haben dann beschlossen, dass wir nicht nur etwas als Gastspiel wieder aufnehmen, sondern hier weiterentwickeln wollen. Ich bin gespannt, wie das Münchner Publikum darauf reagiert!

Text: Carmen Kovacs
Foto ganz oben: © Lioba Schöneck