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Trajal Harrell
Caen Amour

 

Do. 18. Mai, 20 Uhr - TICKETS
Fr. 19. Mai, 18.30 Uhr - TICKETS
Fr. 19. Mai, 21 Uhr -TICKETS
Ort: Kammerspiele, Kammer 2
Dauer: ca. 70 Min.
Preis: € 16 / erm. € 10
Künstlergespräch am 19. Mai


Auf der Bühne steht ein übergroßes Puppenhaus, das die ZuschauerInnen später umrunden dürfen, um buchstäblich hinter die Kulissen zu blicken. Dann sieht man die TänzerInnen, wie sie sich umziehen, um anschließend in immer neuer Verkleidung aus dem Haus zu treten, zu posieren, sich weich in den Hüften zu wiegen. Sie hüllen sich in Tücher, lassen das Becken kreisen. Verführerisch sind die beiden Männer und ihre Kollegin. Zugleich blenden sie in ihrer Präsentation Stereotype des Exotischen und zeitgenössische Wahrnehmungsweisen von Körper und Gender übereinander, aktuelle postkolonialistische und feministische Debatten  im diskursiven Gepäck. Trotz der vielfältigen Referenzen erscheint Caen Amour leichtfüßig. Fluchtpunkt der neuen Show von Trajal Harrell, der bei DANCE 2015 Voguing mit Antigone kreuzte, ist der Hoochie Coochie. Der Tanz, der um 1870 in den Vereinigten Staaten als sexualisierte Parodie des Bauchtanzes Erfolge feierte, signalisierte zum einen Nacktheit, Erotik, Sexualität, zum anderen aber auch experimentelle Lust am Tanzen. Klug greift der amerikanische Choreograf zurück auf die Zeit, als sich der moderne Tanz erfand und aus den verschiedensten Quellen speiste, aus Vaudeville und Zirkus, neuer Technologie und Jugendstil, Mode und Exotismus: »Mich interessiert der Moment, in dem der moderne Tanz noch nicht als Kunstform etabliert war, sondern sich gerade entwickelte und zwischen künstlerischen, populären und kommerziellen Praktiken ausbildete. Ich bin kein Historiker, versuche nicht, etwas zu belegen oder zu restituieren«, so Trajal Harrell, der Amerikanistik in Yale und Tanz an verschiedenen amerikanischen Universitäten studierte. 2012 wurde er für sein Stück Antigone Sr. Twenty Looks or Paris is Burning at The Judson Church (L) mit dem Bessie Award ausgezeichnet; 2014 hatte er am MoMA (Museum of Modern Art, New York) eine Residenz. Er kreiert, kuratiert und lehrt an den Tanz-Hot-Spots in Europa. Caen Amour, für das er eine Förderung von Tanzfonds Erbe erhielt, entstand auf Kampnagel in Hamburg. Seine Verbindung zwischen Hoochie Coochie und modernem Tanz ist ein Vorschlag. Und was für einer!

Choreografie: Trajal Harrell
Tanz: Trajal Harrell, Thibault Lac, Perle Palombe, Ondrej Vidlar und N.N. 
Licht: Sylvain Rausa
Bühne: Jean Stephan Kiss
Sound: Trajal Harrell
Kostüme: Trajal Harrell und die TänzerInnen
Dramaturgie: Sara Jansen
Koproduktion: Kampnagel Hamburg, Festival Avignon, Theater Freiburg, Arsenic Lausanne, Gessnerallee Zürich, ICA Boston, Kaaitheater Brüssel, Productiehuis Rotterdam. Unterstützt von Tanzfonds Erbe.


Kammer 2